Water-Brigade Nicaragua März 2016

Tagesberichte der Water Brigade:

10.03-11.03.2016: Auf nach Nicaragua

Am 10. März haben wir, 15 Aachener Studenten, uns nach langer Vorbereitung auf die lange Reise nach Nicaragua begeben. Von den verschiedensten Orten der Welt traf unser hoch motiviertes Team nach 24-stündiger Reise in der Hauptstadt Managua ein.

Unsere ersten Eindrücke von Managua: Es ist heiß, schwül, laut und auch der Verkehr ist gewöhnungsbedürftig. Um eine Kreuzung ohne Unfall zu überqueren, muss laut gehupt werden. Es fährt einfach alles auf der Straße, was sich in irgendeiner Art vorwärts bewegen kann; vom Eselkarren bis hin zu den bekannten gelben, amerikanischen Schulbussen.

Nach einem Sprung in den kühlen Pool und einer erholsamen Nacht im Hostel, empfangen uns Julio und Dimas, unsere GB-Koordinatoren für das Projekt, herzlich und bringen uns nach Estelí in unsere Unterkunft für die nächsten Tage. Estelí ist eine nordöstlich von Managua gelegene Stadt, die nah an unseren Projektorten Hermita de Sarawaska und El Salto liegt.

Je näher wir Estelí kommen, desto mehr genießen wir den Wind und die Ruhe in der bergigen Region. Nur langsam geht es auf den holprigen Straßen voran. Ab und zu müssen wir anhalten, um den Kühe treibenden Jungen auf ihren Eseln Vorfahrt zu gewähren.

Am Abend werden wir offiziell von dem GB-Team Nicaragua begrüßt und uns wird der genaue Ablauf für die nächsten Tage erklärt. Schnell wird klar, dass uns die folgenden Projekttage einiges abverlangen werden.

12.03.2016: Spatenstich für den Nicaragua-Kanal 2.0 oder auch der Beginn unserer Water-Brigade

07:00 in Nicaragua:
Die ersten Brigader bahnen sich noch leicht erschöpft ihren Weg aus ihren Mosquitonetzen Richtung Frühstück. Es gibt natürlich Reis mit Bohnen, Bananen in jeglicher Form und zuckersüßen Fruchtsaft…ein typisches Nica-Frühstück.

08:00 (vielleicht auch ein wenig später…):
Es geht endlich los… Berg auf, Berg ab… nach etwa 1½ Stunden sind wir mit unserem Minibus in der Nähe unseres Projektdorfes angekommen. Ab da geht es zu Fuß weiter, da der Bus der Steilheit der Berge nicht mehr gewachsen ist. Eine erste Herausforderung für uns, denn 35°C in der Sonne lassen den typisch Deutschen ordentlich ins Schwitzen kommen.

Voller Erwartungen kommen wir an… und entdecken einen Haufen buddelnder Amerikaner. Bis dahin waren wir uns noch nicht ganz sicher, was uns genau bei unserer Water-Brigade erwartet. Ein Water-Projekt setzt sich nämlich aus vielen einzelnen Einsätzen verschiedener Brigaden zusammen.

Nun ist es klar… wir stellen die Verbindung zwischen dem bereits errichteten Wassertank auf dem Berg und dem zu versorgenden Dorf her, indem wir tiefe Gräben für die Wasserrohre buddeln…ein Nicaragua-Kanal eben… ganz nach unserer Vorstellung 🙂

Das hört sich jetzt einfach an, aber ganz so einfach war es dann doch nicht. Mit Spitzhacke, Schaufel und Machete bewaffnet, werden wir auf den schon teilweise begonnenen Graben losgelassen. Mit vollem Körpereinsatz stellen wir uns der Aufgabe. Schnell werden sich Strategien überlegt, die Einheimischen gefragt und unsere Koordinatoren in den Prozess eingebunden, um den Prozess so effektiv wie möglich zu gestalten, denn bei so viel benötigter „Men-Power“ bleibt den weiblichen Brigadern nichts anderes übrig, als ihre Kräfte möglichst günstig einzusetzen. Doch es stellen sich neue Hindernisse in Form von fiesen Felsbrocken und bösen Baumwurzeln in den Weg. Diese müssen dann doch gekonnt durch einheimische „Men-Stone-Breaker-Power“ in Form von Vorschlaghämmern und gigantischen Stemmeisen eliminiert werden.

Men-Power

15:00 Uhr: Finito
Zu Beginn dachten wir noch, dass wir die Arbeitszeit am Tag um einige Stunden verlängern könnten, doch dann sind wir ziemlich froh, als es endlich heißt: ¨finito, vamos a casa!¨

Im Minibus werden dann erstmal die ersten kleinen Wehwehchen, wie diverse Sonnenbrände, Dornenverletzungen, Blasen an den Händen und Mückenstiche versorgt. Das freut doch die vielen Medizinerseelen unter uns.

Nach 20 Minuten heller Aufregung, dem Adrenalin unseres ersten Projekttages geschuldet, herrscht dann plötzliche Totenstille. Wir halten unsere erste Nica-typische Siesta und schlafen die ganze Fahrt durch, um unsere geschundenen Glieder zu generieren. Diese harte körperliche Arbeit bei sengender Sonne ist den meisten von uns dann doch etwas fremd.

21:00 Uhr: Gute Nacht Nicaragua
Auch abends wird relativ schnell das Bett aufgesucht und vom drohenden Muskelkater am nächsten Tag geträumt. Buenas noches!

13.03.2016: Der Tag danach
Der Schlaf heilt viele Wunden. Mit neu gewonnener Kraft wandern wir wieder hoch zum Projektort und halten dieses Mal inne, um die unglaubliche Aussicht zu genießen. Ob die Einheimischen diese Aussicht überhaupt noch genießen können, wenn sie momentan diesen steilen Weg täglich gehen, um Wasser für ihre Familien zu holen?

Trotz des anstrengenden ersten Tags packen alle motiviert mit an und hacken, schaufeln und hebeln Steine. Trink- und Eincremepausen müssen regelmäßig eingelegt werden, da die roten Nasen bereits jetzt schon genug Sonnenstrahlen ausgesetzt waren. Stimmungsvolle Musik hält uns bei Laune, die von den Pick-ups oder Einheimischen mit Gitarre und Gesang geboten wird.

Musik für die Motivation

Nachdem eine kalte Dusche in unserer Unterkunft uns vom Schmutz befreit hat, hören wir uns abends die Einführung zur Medical Brigade unserer amerikanischen GB-Kollegen, mit denen wir die Unterkunft teilen, an. Einheimische Ärzte erläutern das Gesundheitssystems Nicaraguas und berichten von ZIKA, Malaria, Chikungunya und HIV. Insgesamt ein sehr interessanter Vortrag und wieder haben wir viel Neues gelernt.

Nach einer letzten Runde unseres favorisierten Kartenspiels Wizard, stecken sich alle müden Water-Brigader ihre Oropax in die Ohren, um sich den Geräuschen der Nacht zu entziehen. Für morgen muss neue Kraft geschöpft werden.

16.03.2016:
Letzter Wasserprojekttag
Der letzte Tag unserer Water-Brigade ist angebrochen.
Leicht erschöpft, aber immer noch voller Motivation stapfen wir ein letztes Mal den steinigen Weg zu unserem Graben und schnappen uns Schaufel und Hacke. Die letzten schweren Steine werden zusammen mit den Dorfbewohnern gebrochen und viele weitere Meter Richtung Dorf gewonnen. Dieser besonders heiße Tag raubt uns unsere letzten Reserven und ehrlich gesagt sind alle froh, dass wir heute ein wenig früher aufhören zu arbeiten, um mit den Arbeitern zusammen zum Wassertank zu laufen.

Der Wassertank wird von einem Brunnen eines benachbarten Dorfes über ein Pumpsystem versorgt. Hier wird das Wasser durch spezielle Filter und durch die Zugabe von Chlor gereinigt. Von dort aus läuft das Wasser mit der Schwerkraft über die Rohre, die durch unsere tapfer gebuddelten Gräben führen werden. So gelangt das Wasser in jeden Haushalt von allen 32 Familien in unser Projektdorf Hermita de Sarawaska.

Angekommen ergreifen die Dorfbewohner das Wort und erklären wie dankbar sie sind, dass wir zu ihnen gekommen sind und bei der Arbeit mitgeholfen haben, um ihnen diesen Wasserzugang zu ermöglichen. Zuvor mussten sie mit Eimern ca. 5 km zum Brunnen und wieder zurück laufen, mit dem Risiko, dass der Brunnen bereits ausgetrocknet ist. Dann mussten weitere Kilometer zum nächsten Dorf in Angriff genommen werden. Der Zeitaufwand, der dafür aufgebracht wurde, war natürliche immens. Auch uns hat die Zusammenarbeit mit den Dorfbewohnern sehr gut gefallen, denn ohne sie hätten wir diese schwere Arbeit niemals durchführen können. Nun heißt es ¨Adiós¨ und wir fahren ziemlich erledigt, aber zufrieden heim, um uns für unsere letzten beiden Projekttage in El Salto zu rüsten.

Tagesberichte der Public Health Brigade:

17.03.2016: Public Health Part I
Neuer Tag, neues Projekt, neues Glück… Direkt nach dem Frühstück präsentiert uns Julio, was uns die nächsten beide Tage erwarten wird. Gespannt auf die neue Herausforderung, geht es nun auf eine 2-stündige Busfahrt zu unserem neuen Projektort El Salto. Vor Ort bemerken wir, dass die letzten fünf Tage nur Training waren, denn nun gilt es eine 50° Steigung zu erklimmen.

Bevor die Arbeit beginnt, lernen wir die Familie persönlich kennen, die nach unseren beiden Projekttagen von einer Hygienestation und einem betonierten Boden in ihrem Haus profitieren können.

Eine Hygienestation besteht aus einer Toilette, einer Dusche und einer Möglichkeit zum Waschen. Neben der Hygienestation wird in einem großen Loch in der Erde ein septischer Tank gemauert, der mit der Toilette verbunden ist und den Abfluss der Toilette und der Dusche filtert. Dieser sollte bei einer 8-köpfigen Familie mindestens 20 Jahre halten. Die Dorfgemeinschaft wird angeleitet einen zweiten septischen Tank zu bauen, wenn der erste voll ist. Durch den Filter entleert sich der septische Tank dann wieder und kann nach einiger Zeit wieder verwendet werden.

Die Betonierung des Bodens ist notwendig, da die Familien des Dorfes gehäuft Chagas und parasitäre Erkrankungen aufwiesen, die durch eine solche Maßnahme vermieden werden können, da die Parasiten besonders durch einen aufgelockerten Boden an die Oberfläche der Häuser gelangen können.

Um mit dem Bau der Station zu beginnen, werden wir in drei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe mauert Dusche und Toilette, eine Gruppe baut den septischen Tank und die letzte Gruppe mischt hauptsächlich Zement, Steine und Sand, um den Boden im Haus zu betonieren. Es heißt wieder einmal: Schaufeln, Schaufeln, Schaufeln! Stein für Stein und Zementvulkan für Zementvulkan kommen wir gut voran und am Ende des Tages ist der Boden fertig und der Hygienestation fehlen nur noch eine Reihe an Steinblöcken zur Vollendung. Wir sind sehr stolz, wie weit wir gekommen sind und würden -typisch deutsch- am liebsten heute noch alles fertig stellen, doch was Julio sagt ist Gesetz! 😉 Morgen ist ja auch noch ein Tag.

Sand sieben für den Zementvulkan

18.03.2016: Public Health, die Zweite
Der letzte Tag unseres Projektes ist angebrochen Wir fahren wieder nach El Salto und bauen am Vormittag den septischen Tank zu Ende und dürfen uns auf Betontafeln am jeweiligen Arbeitsort verewigen.

Danach wird es endlich Zeit für die schon in Deutschland vorbereiteten Charlas. Das sind kurze informative Gespräche mit den Dorfbewohnern. Zuerst sind die Kinder an der Reihe. Um das Eis zu brechen, beginnen wir mit einem Spiel, bei dem die Kinder mit ihren mit Glitzerstaub bedeckten Händen ihre Freunde fangen sollen. Dadurch wird ihnen die schnelle Ausbreitung der Bakterien von Hand zu Hand gezeigt, denn plötzlich hat jedes Kind den Glitzerstaub an den Händen. Um zu verdeutlichen, wie die Kindern den Glitzerstaub bzw. die Bakterien von den Händen bekommen können, haben wir ein Plakat vorbereitet, auf dem anhand von kindgerechten Bildern zum Thema Händewaschen der Stellenwert richtiger Händehygiene verdeutlicht werden soll. Außerdem zeigen wir ihnen auf spielerische Art und Weise, wie man sich richtig die Zähne putzt und welche Lebensmittel gut, beziehungsweise schlecht für die Zähne sind. Für die gewisse Motivation wird eine mit Bonbons gefüllte Piñata aufgehängt und tanzend von den Kindern zerschlagen.

Zahnbürsten gibt es auch für die Kleinsten
Singend Zähne putzen lernen

Mit den Erwachsenen bzw. der Familie werden die durch das Projekt gewonnenen Vorteile und Verbesserungsvorschläge besprochen. Da der Weg zum Dorf sehr beschwerlich ist, äußert sich hier besonders der Wunsch nach einem Wasserprojekt. Zudem vergleichen wir auf einem Plakat in Form einer Weltkarte die wichtigsten Charakteristika unserer Heimatländer.
Zum Schluss bedankt sich die Familie noch einmal herzlich bei uns.

Am Abend lassen wir das Projekt noch mit einer schönen Reflektionsrunde ausklingen. Vor allem begeisterte uns die Teamarbeit unter uns und mit den Dorfbewohnern, die fürsorgliche Betreuung durch Julio, Dimas und die Busfahrer und die individuellen Erfahrungen und Eindrücke, die jeder mit nach Hause nehmen kann.
Als Abschiedsgeschenk bekommen wir von Julio noch eine Fahne von der Region Jinotega, in der unser Projekt war, und die besten Wünsche für unsere Zukunft. Wir können nur sagen: „Adiós Estelí!“